Mozart Timeline

Die Gesichtszüge des Meisters

Etwa 150 Jahre nach Mozarts Tod tauchte im Wiener Altwarenhandel eine Bronzemaske mit den Gesichtszügen Mozarts auf. Sie wurde als die verschollen gewesene Totenmaske des Komponisten identifiziert. Ist sie echt? Wer hat sie angefertigt? Wo war sie all die Jahre gewesen? Die Musikwissenschafterin Eva Badura-Skoda verfasste für den Ausstellungskatalog der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek im Jahr 1991 dazu einen Artikel, den wir als Grundlage für diesen Blogbeitrag verwenden dürfen.

18. April 2014 Veranstaltungen

Mozart starb in den Morgenstunden des 5. Dezember 1791. Sophie Haibel, seine Schwägerin, die bei dem Kranken gewacht hatte, berichtet in einem Brief, dass Stunden nach Mozarts Tod Graf Joseph Deym, der Besitzer von „Müllers Kunstkabinett“, an das Totenbett geeilt war und von Mozarts Gesicht einen Gipsabdruck machte. Einen Gipsabdruck überließ er Konstanze Mozart, für sich machte er noch einen Bronzeabguss.

Die Anfertigung von Totenmasken berühmter Persönlichkeiten war im 18. Jahrhundert gängige Praxis. Der Gipsabdruck fiel Konstanze irgendwann einmal aus der Hand und zerbrach. Die Bronzemaske verschwand, wahrscheinlich in österreichischem Privatbesitz. Totenmasken gerieten aus der Mode, die Öffentlichkeit verlor das Interesse daran. Wo Mozarts Totenmaske dann verblieb, weiß man bis heute nicht. Während des Zweiten Weltkriegs kam sie wahrscheinlich als Teil eines Nachlasses in den Altwarenhandel.

Echt oder nicht echt – das ist die Frage

Um ihre Echtheit entbrannte ein wissenschaftlicher Streit. Der Bildhauer und Physiognomie-Experte Willy Kauer identifizierte sie kurz nach ihrer Identifizierung als echt. Wegen eines jahrelangen Betrugsprozesses gegen ihn und eines langwierigen Echtheitsstreits wurde es jedoch still um die Maske. Heute, nach eingehenden wissenschaftlichen Untersuchungen, ist man geneigt, die Echtheit der Totenmaske als „wahrscheinlich echt“ anzunehmen. 

Mozarts Grab befindet sich übrigens am St. Marxer Friedhof in Wien. Hier wurde er am 6. oder 7. Dezember 1791 in einem Schachtgrab beerdigt. Diese damals gängige Beerdigungspraxis erschwerte später die genaue Lokalisierung von Mozarts Überresten. 1859 schuf der Bildhauer Hanns Gasser ein Grabdenkmal, das heute auf dem Wiener Zentralfriedhof zu sehen ist.

(Vgl: Requiem, Wolfgang Amadeus Mozart, 1791/1991, Ausstellung der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek vom 17. Mai bis 5. Dezember 1991, Katalog, Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz/Austria)

Neuzeitlicher Gipsabdruck von Mozarts Totenmaske (Privatbesitz Eva Badura-Skoda)

Neuzeitlicher Gipsabdruck von Mozarts Totenmaske (Privatbesitz Eva Badura-Skoda)

Foto: Bernhard Böhler