Mozart und sein Vater

Wie der Vater, so der Sohn? Nicht bei den Mozarts …

Familie Mozart

Lithographie von Eduard Friedrich Leybold (1798–1879) nach Johann Nepomuk della Croce 1856 (Universitätsbibliothek Salzburg) Quelle: Wikimedia
Vater
Leopold Mozart

Leopold Mozart

Ölgemälde von Pietro Antonio Lorenzoni (1721–1782) 1765 (Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg) Quelle: Wikimedia
Leopold Mozarts „Gründliche Violinschule mit vier Kupfertafeln und einer Tabelle“, erschienen in Augsburg 1800 (Erstausgabe 1756)

Leopold Mozarts „Gründliche Violinschule mit vier Kupfertafeln und einer Tabelle“, erschienen in Augsburg 1800 (Erstausgabe 1756)

Quelle: Division of Rare & Manuscript Collections, Cornell University Library

Wolfgang Amadeus Mozart hatte das Glück, in Leopold Mozart einen erfahrenen Musiker als Vater zu haben. So konnte er erkennen, welches Potenzial in Wolfgang steckte. Er widmete sein Leben der Förderung dieses Talentes.

Beide erlebten dabei Höhen und Tiefen. Die beschwerlichen Reisen an die verschiedensten Fürstenhöfe waren kein Zuckerschlecken. Doch Wolfgang liebte den Applaus, sein kapriziöser Charakter und eine gewisse Arroganz weniger Begabten gegenüber zeigten sich erstmals. Leopold Mozart sah dies mit Besorgnis. Als braver, pflichtbewusster Hofangestellter fiel es ihm schwer, sich in das Genie von Wolfgang Amadeus Mozart und dessen Verhaltensweisen einzufühlen. Und doch verband diese beiden Männer ein lebenslanger Briefverkehr: „Sie denken halt, weil ich klein und jung bin, so kann nichts Großes und Altes hinter mir stecken, sie werden es aber bald erfahren“, schreibt Wolfgang einmal an seinen Vater.

Starker Vater, genialer Sohn

Wolfgang und Leopold Mozart waren trotz, vielleicht auch wegen ihrer verschiedenen Charaktere, aufeinander angewiesen. Verständlich, dass Leopold das Tun seines Sohnes skeptisch beobachtete – sah er in ihm doch auch die (finanzielle) Stütze der Familie, die für den Sohn auf so viel verzichtete. Als Wolfgang sich dann in Aloysia Weber verliebte und versuchte, sich dem Einfluss des Vaters zu entziehen, musste Leopold Mozart hilflos zusehen, wie sein Sohn selbstständig wurde.

Den Rest seines Lebens, als Wolfgang längst mit seiner Frau Constanze in Wien lebte und arbeitete, stand Leopold Mozart in ständigem brieflichem Dialog mit dem Sohn. Dieser ließ Einflussnahme jedoch nur soweit zu, wie es ihm passte. Seien wir ehrlich: im Grunde eine ganz normale Vater-Sohn-Beziehung …

Der Kampf von Vater Leopold um seinen Sohn

In Paris hatte sich Wolfgang Amadeus Mozart erstmals längere Zeit ohne den Vater durchschlagen und den Tod der Mutter allein verarbeiten müssen. Diese Umstände haben ihn reifen lassen. Mit 21 Jahren pocht er auf mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit vom Vater. Doch dieser will ihn unbedingt nach Salzburg zurückholen. Er verschafft dem Sohn eine Anstellung beim Erzbischof. Doch was tut der „Rotzlöffel“? Er lehnt ab: „… Salzburg sei kein Ort für mein Talent“, und: „Der Erzbischof kann mich gar nicht genug bezahlen für die Sklaverei in Salzburg.“

Es ist klar: Das Kräfteverhältnis zwischen Vater und Sohn beginnt sich zu verschieben. Der alternde Vater verliert an Einfluss, der erwachsen werdende Sohn will sein Leben selbst in die Hand nehmen. Leopold Mozart war voller Sorge. Wie sollte der in seinen Augen lebensuntüchtige Sohn nur sein Leben meistern? Von Anfang an hatte er sich um alles gekümmert, war Vater und Manager in einem gewesen. Wie um alles in der Welt würde Wolfgang alleine zurechtkommen?

Der Abnabelungsprozess beginnt – und dauert ein Leben lang

Leopold Mozart wird diese fürsorgliche Haltung für den Rest seines Lebens beibehalten. Stets wird er voller Sorge, aber gleichzeitig auch an allem höchst interessiert sein, was der Sohn zu berichten hat. Wolfgang Amadeus Mozart wird sich wohl so manches Mal kontrolliert gefühlt haben und sich eine Einmischung verbeten haben. Und doch. Leopold Mozart war ihm gut gesinnt, er war in der Lage, die Leistungen seines Sohnes einzuschätzen und ihm mit konstruktivem Rat zur Seite zu stehen. Als er im Mai 1787 stirbt, verliert Wolfgang nicht nur seinen Vater, sondern wohl auch seinen besten Freund.