So machen’s alle – Oper als Sozialsatire 

Neapolitanisches Sittenbild als Spiegel der Wiener Verhältnisse

Così fan tutte

Schlosstheater Schönbrunn, Wien 2006 Foto: Österreichisches Theatermuseum, Wien / Barbara Palffy
1790
Wien
Così fan tutte

Così fan tutte

Schlosstheater Schönbrunn, Wien 2006 Foto: Österreichisches Theatermuseum, Wien / Barbara Palffy

1790 ist kein besonders gutes Jahr für Mozart und seine Frau. Constanze kränkelt andauernd, sie braucht Kuren, und die kosten viel Geld. Geld, das Mozart nicht hat. Mehr als einmal muss er in dieser Zeit seinen Freund Johann Michael Puchberg bitten, ihm etwas zu leihen. Außerdem war im Vorjahr nun auch noch Mozarts fünftes Kind  gestorben – nur eines, der kleine Carl, lebte.

In dieser Situation bekommt Mozart in Wien endlich einen Auftrag, vermutlich von Kaiser Joseph II. Eine Geschichte um Liebe und Eifersucht, die Oper „Così fan tutte“ nimmt sich dieses Themas an. Das Libretto stammt wieder von Lorenzo Da Ponte. Es wird das letzte Mal sein, dass er für eine Oper Mozarts das Textbuch schreibt. Ursprünglich hätte Salieri diese Oper komponieren sollen, doch der arbeitete nicht lange daran. Laut Mozarts späterer Aussage hielt er das Thema für unwürdig und ärgerte sich danach sehr, dass Mozart dieser Auftrag zufiel.

Eifersucht und lockere Sitten

„Così fan tutte o sia La scuola degli amanti“ (So machen es alle Frauen oder Die Schule der Liebenden) spielt im Neapel des 18. Jahrhunderts. Ferrando und Guglielmo, zwei junge Offiziere, gehen auf die Treue ihrer Verlobten Dorabella und Fiordiligi mit dem zynischen Don Alfonso eine Wette ein. Bald darauf ziehen sie scheinbar in den Krieg und kehren verkleidet zu ihren Damen zurück, um sie als fremde Kavaliere zu umschwärmen. Doch Dorabella und Fiordiligi erweisen sich zunächst als standhaft, worauf die beiden vermeintlichen Soldaten aus Verzweiflung einen Selbstmord vortäuschen. Sie werden jedoch gerettet und der Pflege der Damen überlassen.

Langsam zeigt die beharrliche Werbung Wirkung. Zuerst gibt Dorabella nach, dann Fiordiligi, eine Doppelhochzeit findet statt.

Da inszenieren die beiden verkleideten Männer ihre Rückkehr in ihrer ursprünglichen Identität, die beiden Damen heucheln Wiedersehensfreude. Don Alfonso sorgt dafür, dass die „Untreue“ der Frauen aufkommt, es kommt zu einer heftigen Eifersuchtsszene. Da decken die jungen Männer den Schwindel auf, alle sind beschämt. Alfonso rät den vieren, sich keine weiteren Vorwürfe zu machen und glücklich miteinander zu sein.  

„Così fan tutte“ stieß auf wenig Gegenliebe bei Mozarts Zeitgenossen. Der Text wurde als albern und unmoralisch abgetan, nach Mozarts Tod wurde die Musik oft mit verstümmelten oder einem völlig anderen Text versehen. Erst im 20. Jahrhundert wurde diese Mozart-Oper mit seinen anderen Meisterwerken „Don Giovanni“ und „Figaros Hochzeit“ gleichgesetzt.

Schlechte Voraussetzungen für einen Erfolg

Joseph II. hatte jedenfalls Spaß an dem Thema. Er war stets für deftige Scherze auf Kosten „seiner Wiener“ zu haben und sah in der Oper die Möglichkeit, mit dem darin gezeichneten Sittenbild den Wienern einen Spiegel vorzuhalten, wenngleich die Geschichte in Neapel spielte.

Er war Mozart wohlgesinnt, und so manche Oper von Mozart verdankt ihre Entstehung direkt oder indirekt seiner Intervention. Als „Così fan tutte“ am 26. Jänner 1790 im Wiener Burgtheater uraufgeführt wird – übrigens mit mäßigem Erfolg –, kann der Kaiser nicht dabei sein. Er leidet unter Lungentuberkulose und stirbt wenig später mit erst 48 Jahren. Für Wolfgang Amadeus Mozart werden die Zeiten dadurch nicht besser. Denn der Nachfolger von Joseph II., dessen Bruder Leopold, hatte weit weniger Sinn für Musik …