Ein Manifest der Liebe

Meisterstück voller Tiefe und Reife

Die Entführung aus dem Serail

Volksoper Wien 2010 Foto: Österreichisches Theatermuseum, Wien / Barbara Palffy
1782
Wien
Die Entführung aus dem Serail

Die Entführung aus dem Serail

Volksoper Wien 2010 Foto: Österreichisches Theatermuseum, Wien / Barbara Palffy

Wolfgang Amadeus Mozart war 25 und wollte sein Leben endlich selbst in die Hand nehmen. Er ging nach Wien. Wenn auch der Vater von Salzburg aus stets versuchte, Einfluss auf ihn zu nehmen: Wolfgang ließ sich nicht mehr viel sagen. Außerdem war er verliebt: Die Familie Weber, die er schon vor Jahren kennengelernt hatte, hatte ihm ein Zimmer vermietet. Hier komponierte er – versorgt und unter Familienanschluss – ungestört. Und: Er wollte die Tochter des Hauses, Constanze, heiraten – ein Wunsch, den er zunächst vor Vater Leopold geheim hielt.

In diese Zeit fällt der Auftrag Josephs II. zur Komposition der Mozart Oper „Die Entführung aus dem Serail“. Viele Kritiker sehen im Inhalt Parallelen zu seiner privaten Situation. Immerhin war er ein junger mittelloser Künstler, seine spätere Schwiegermutter Cäcilie von Weber wollte ihm ihre Tochter nicht so ohne weiteres überlassen. Die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten für die junge Liebe verarbeitet Mozart wohl in dieser Oper. Aber das sind natürlich nur Mutmaßungen …

Mozart Oper voller emotionaler Tiefe

Tatsache ist, dass „Die Entführung aus dem Serail“, obwohl als unterhaltsame Türkenoper angelegt, ein Werk voller emotionaler Tiefe ist. Die Charaktere sind vielschichtig angelegt, entwickeln ungeahnte Komplexität. So schreibt Mozart an seinen Vater über eine Arie des Osmin: „In der Arie habe ich seine tiefen Töne schimmern lassen.“

Darin unterscheidet sich diese Mozart Oper von vielen anderen zeitgenössischen Werken. Die Handlung ist dem Libretto für die Operette „Belmont und Constanze“ von Christoph Bretzner nachempfunden, Mozart überarbeitete dieses gemeinsam mit seinem Librettisten Gottfried Stephanie nach seinen Vorstellungen.

Liebende auf der Flucht

Protagonisten sind die junge Spanierin Konstanze, ihre Zofe Blonde und deren Freund, der Diener Pedrillo. Die drei wurden bei einem Piratenüberfall von Konstanzes Verlobtem Belmonte getrennt und werden auf einem Sklavenmarkt verkauft. So kommen sie in den Palast von Bassa Selim. Belmonte macht sich auf die Suche nach ihnen und verschafft sich Zugang zum Palast. Hier trifft er auf Pedrillo, sie planen die Befreiung von Konstanze und Blonde. Doch so einfach ist es nicht. Bassa Selim versucht, Constanzes Liebe zu gewinnen, und der Sklavenwächter Osmin jene von Blonde. Beide Frauen wollen jedoch davon nichts wissen und hoffen auf Befreiung.

Schließlich setzt Pedrillo Osmin mit Wein außer Gefecht, Belmonte kann so endlich Konstanze wiedersehen und die Flucht planen. Diese scheint zunächst zu gelingen, doch in letzter Sekunde wird sie von Bassa Selim und Osmin vereitelt. Bassa Selim beschließt, die vier hinzurichten, lässt aber dann doch Gnade walten: Er sieht darin größere Befriedigung als in der Lust, Menschen das Leben zu nehmen.

„Türkische Musik“ – ganz im Trend der damaligen Zeit

Mozarts „türkische“ Musik bestand in der Verwendung von ungewohnten Instrumenten wie Becken, großer (türkischer) Trommel, Piccoloflöte und Triangel. Ihm machte das einen Riesenspaß, seine Oper bekam mit dieser sogenannten „Janitscharenmusik“ ein gewisses Etwas. Doch auch neue Techniken und andere bisher unbekannte Eigenheiten sind die Kennzeichen seiner „türkischen“ Musik.

Wolfgang Amadeus Mozart schuf mit „Die Entführung aus dem Serail“ eines der ersten von noch folgenden Meisterwerken. Sie wurde am 16. Juli 1782 mit großem Erfolg in Wien uraufgeführt.