Volk contra Adel – Revolution mal anders

Aufstand? Ja. Aber komödiantisch verpackt.

Le nozze di Figaro

Salzburger Festspiele 2006 Foto: Monika Rittershaus
1786
Italien
Le nozze di Figaro: Figaro, Susanna, Marcellina, Bartolo und Cherubim

Le nozze di Figaro: Figaro, Susanna, Marcellina, Bartolo und Cherubim

Salzburger Festspiele 2006 Foto: Monika Rittershaus

Vor dem Hintergrund der französischen Revolution hatte Beaumarchais die französische Komödie „Der Barbier von Sevilla“ geschrieben. Das Stück galt als Kampfansage an den Adel! Der Stoff reizte Mozart, außerdem erklärte sich sein kongenialer Librettist Lorenzo Da Ponte zur Zusammenarbeit bereit. Es sollte eine italienische Opera buffa werden, „Le Nozze di Figaro“, ein selbstständiges, spannendes Musikdrama ohne politischen Anspruch, in dem der Revolution des Volkes gegen den Adel allerhöchstens in zarten Anspielungen Raum gegeben werden sollte. Schließlich wollte man ein behördliches Verbot der Oper vermeiden, was dem Stück in einer anderen Inszenierung in Wien bereits passiert war.

Da Ponte übernahm auch die Aufgabe, den Kaiser auf die neue Oper neugierig zu machen und ihr so von Vornherein dessen Wohlwollen zu sichern. Mozart und Da Ponte arbeiteten in trauter Harmonie an dieser Oper, obzwar – wie immer – unter Zeitdruck, denn Mozart musste nebenher ja auch noch Geld verdienen.

Die Handlung der Oper beginnt da, wo Beaumarchais‘ Theaterstück endet: am Hof des Grafen Almaviva.

Mit List und Phantasie zur Dame des Herzens

Figaro, Kammerdiener des Grafen Almaviva, trifft Vorbereitungen für seine Hochzeit: Susanna, seine Auserwählte, ist das Kammermädchen von Gräfin Rosina, ist. Doch auch Graf Almaviva hat ein Auge auf Susanna geworfen. Außerdem spielen  noch der Page Cherubino und die Haushälterin Marcellina, der Figaro bei Nichtbezahlen seiner Schulden die Ehe versprochen hat, in das Geschehen mit hinein. Cherubino ist eine Art Enfant terrible und sorgt für immer neue Verwirrungen und Überraschungen. Die Handlung ist ein ständiges Verwirrspiel mit Kleidertausch und Verstecken, kleinen Listigkeiten und Eifersuchtsszenen, Täuschungen und Ärgernissen. Doch letztendlich kommt doch alles ins Lot, so dass Figaros Hochzeit stattfinden kann.

Das einzig „Revolutionäre“ an dieser Oper ist der kleine Triumph des „einfachen Mannes“ über die Arroganz des Adels, so bezeichnet Cherubino in einer Arie den Grafen respektlos als „contino“ (kleinen Grafen). Joseph II. erkannte dies sehr wohl, war aber einem boshaften Scherz auf Kosten des Wiener Adels nicht abgeneigt. Mozart und Da Ponte hatten erreicht, was sie wollten: „Die Hochzeit des Figaro“ wurde aufgeführt, und beide erhielten sogar ein Honorar vom Kaiser.

Die Uraufführung am 1. Mai 1786 im Burgtheater am Michaelerplatz war jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Das Orchester kam mit der komplizierten Musik Mozarts nicht gut zurecht, die Probenzeit war zu knapp gewesen, und das Wiener Publikum, eher auf den populäreren Salieri eingestimmt, war auch nicht restlos begeistert. Ein Kritiker schrieb: „Das Publikum wusste am ersten Abend nicht eigentlich, wie es dran war.“

Figaros Hochzeit in Prag

Wesentlich mehr Erfolg war der Oper in Prag beschieden. Mozart befand sich nach dem mäßigen Erfolg der ersten Aufführungen in Wien wieder in Geldnöten und hatte noch immer keine fixe Anstellung in Aussicht. Da ereilt ihn eine Einladung nach Prag, er solle dort „Die Hochzeit des Figaro“ persönlich dirigieren. So reist Mozart mit Constanze in die Hauptstadt Böhmens, wo er einen unerhörten Triumph mit Figaros Hochzeit haben wird. Das Prager Publikum ist vollkommen begeistert und feiert Mozart drei Wochen lang. Auch die Kasse stimmt: Mozart soll an die tausend Gulden in Prag verdient haben. Das Ehepaar Mozart kehrt hoffnungsvoll nach Wien zurück, dort wird doch nun endlich auch der große Erfolg kommen …