Flucht aus dem Sultanspalast

Ein sozialkritisches Werk – findet sich Mozart darin wieder?

Zaide

Jugendstiltheater, Wien 2006 Foto: Österreichisches Theatermuseum, Wien / Barbara Palffy
1780
Salzburg
Zaide

Zaide

Jugendstiltheater, Wien 2006 Foto: Österreichisches Theatermuseum, Wien / Barbara Palffy

Wolfgang Amadeus Mozart war von 1772 bis 1777 beim Salzburger Fürsterzbischof Colloredo erst als Konzertmeister der Hofkapelle und dann wieder von 1779 bis 1781 als Hoforganist angestellt. Colloredo galt nicht gerade als großzügiger Arbeitgeber und hielt Mozart äußerst kurz. Der sprach mehr als nur einmal von „Sklaverei“.

Im Jahr 1780 griff Mozart  den Theaterstoff „Zaire“ von Voltaire auf und begann, ein deutsches Singspiel in zwei Akten zu komponieren. Das Werk blieb jedoch unvollendet, das heute verschollene Libretto stammte von Johann Andreas Schachtner, einem alten Freund der Familie Mozart. „Zaide“ zeigt deutliche Parallelen mit dem späteren Mozart-Werk „Die Entführung aus dem Serail“ und gilt als dessen Vorläufer mit sozialkritischen Tendenzen. Orientalisch „verpackt“ entging sie staatlichen Repressalien.

Türkisches Lokalkolorit als Deckmantel für Sozialkritik

Sultan Soliman begehrt seine europäische Sklavin Zaide, diese liebt jedoch den Sklaven Gomatz. Und dieser sie. Mit Unterstützung Allazims, des Lieblingssklaven des Sultans, gelingt ihnen zunächst die Flucht. Außer sich lässt Soliman alle drei aber wieder einfangen. Allazim prangert die Unfähigkeit des Sultans an, sich in die Lage seiner Untergebenen zu versetzen, die Sklaven bitten um Gnade. Vergeblich

An dieser Stelle bricht Mozart die Arbeit an dem Stück ab. Vielleicht, weil er es nun doch für zu ernst hielt, um beim Publikum, das die leichte Muse liebte, Erfolg zu haben? Immerhin greift er das Thema in der – wesentlich heiterer gestimmten – Entführung aus dem Serail nur zwei Jahre später wieder auf. Vielleicht unterbrach er diese Arbeit aber auch nur, um sich einer neuen Oper zu widmen: Der Auftrag zu „Idomeneo“ ereilt ihn im Herbst 1780.

„Zaide“ wurde zu Lebzeiten Wolfgang Amadeus Mozarts nie aufgeführt. Später wurden verschiedene Ergänzungen und Schlüsse dazu komponiert. Die Uraufführung dieses Mozart-Werkes fand erst 1866 in Frankfurt am Main statt.